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Fehlplanung: Busbuchten sind ein Anachronismus

02. 02. 2020

Ein Netzwerk aus umweltorientierten Verkehrsverbänden lehnt die Pläne der Stadtverwaltung ab, die Bushaltestellen „Magdeburger Weg“ und „Kiefernweg“ entlang der Geismar Landstraße bei ihrem Umbau als Busbuchten beizubehalten. Martin Mützel vom Verkehrsclub Deutschland VCD „Busbuchten sind ein Anachronismus aus Zeiten, wo Busse und Fahrräder als Hindernis für Autos betrachtet wurden. Dabei sitzen in jedem Bus mehr Menschen als in den Autos, die an den zwei Buchten vorbeiziehen können, um dann an der nächsten Ampel direkt vor dem Bus zu stehen.“

Um mit allen Türen eng am Busbord anhalten zu können, muss der Bus eine Haltestelle in einem möglichst flachen Winkel anfahren. Nur, wenn die Front bei der Anfahrt an die Haltestelle nicht übersteht, kann das Bord hoch genug für einen stufenfreien Einstieg sein. Beides ist bei den vorgelegten Planungen unmöglich. Mützel: „Damit ist der Sinn eines angeblich barrierefreien Umbaus komplett konterkariert.“

Die Planungen verstoßen nach Ansicht des Zusammenschlusses, dem neben dem VCD der ADFC Göttingen und der Fahrgastverband PRO BAHN angehören, gegen eine Vielzahl von Planungsrichtlinien. Am Magdeburger Weg stadtauswärts liegen zwischen Busbord und Vorgärten nur drei Meter Abstand, die von wartenden und ein- und aussteigenden Fahrgästen sowie von Fußgängern genutzt werden müssen. Allein für diese beiden Funktionen setzen die „Empfehlungen für Fußgängerverkehrsanlagen“ der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen mindestens viereinhalb Meter an. Zusätzlich führt hier die Hauptradroute Geismar-Innenstadt bergab hindurch, deren Nutzung nach den Prognosen der Stadt stark zunehmen soll. Sollbreite laut „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“: Zwei Meter plus Sicherheitsabstände. Dort heißt es weiter: „Eine Kombination aus Mindestbreiten ist zu vermeiden.“

Noch deutlicher werden die „Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen RASt 06“: „Busbuchten (...) sind innerhalb bebauter Gebiete im Allgemeinen ungeeignet.“ In der RASt 06 wird eine Bordlänge von 25 Meter für Standardbusse empfohlen; Göttingen plant mit 20 Metern für Gelenkbusse. Für die vorgelagerte S-Kurve zum Anfahren an das Bord erwartet die Vorschrift etwa 40 Meter. Am Magdeburger Weg sind auf den beiden Seiten jeweils 17 und 20 Meter geplant. Am Kiefernweg ist diese Länge augenscheinlich kürzer als das bereits zu kurze Busbord.

Gerd Aschoff (Fahrgastverband PRO BAHN): „Hier werden nicht nur Vorschriften missachtet, sondern vor allem die Fahrgäste, Fußgänger und Radfahrerinnen. Mit dem Rolli wird man bei diesen Planungen auch weiter nicht selbständig ein- und aussteigen können, die dann notwendige Bedienung der Klapprampen kostet wertvolle Zeit. Die zu engen S-Kurven und das Wiedereinfädeln in den Verkehr sind eine unnötige Schikane für das ohnehin hochbelastete Fahrpersonal. Wir appellieren an Bauausschuss und Rat, auf der gesamten Strecke die Busbuchten abzubauen!“

Klaus Reinsch (ADFC Göttingen): „Wer mehr Klimaschutz will, braucht eine Umverteilung des öffentlichen Raums zugunsten der Verkehrsmittel des Umweltverbundes. Radverkehrsinfrastruktur darf nicht auf Kosten von Flächen für zu Fuß Gehende oder des ÖPNV entstehen. Wir brauchen sichere und komfortable Wege, auf denen auch Anhänger und Lastenräder gut durchkommen.“

 

Gemeinsame Presseerklärung von ADFC Göttingen, Fahrgastverband PRO BAHN Südniedersachsen und VCD-Kreisverband Göttingen/Northeim.

 

Foto: Istzustand an der Haltebucht Magdeburger Weg: Kaum Platz für Fahrgäste, Fußgänger und Radfahrer. Foto: Martin Mützel