Regionalverband

Südniedersachsen e.V.

 

Fahrgastverband PRO BAHN

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Nahverkehrsplan des ZVSN verdient breitere Beachtung

09. 11. 2020

Große Teile des Nahverkehrsplans finden ausdrücklich unsere Zustimmung. Dies gilt nicht nur für das durchaus gute Bedienungsangebot in der Fläche (Seite 50), sondern ganz besonders für die VSN-Tarifreform (Seite 23) und das Harzer Urlaubsticket HATIX (Seite 54). Auch sehen wir im Beitritt des Landkreises Holzminden zum ZVSN und der daraus folgenden Nahverkehrsplanung im vergrößerten Verbandsgebiet erhebliche Vorteile für die Aufgabenträgerschaft in der Region Südniedersachsen.

Allerdings bleibt die große Frage, unter welchen Rahmenbedingungen man den NVP-Entwurf beurteilt. Die aktuell geltenden Förderinstrumente und die vielen nur sehr kleinen Verbesserungsschritte sind aus unserer Sicht unzureichend, um ambitionierte Klimaziele tatsächlich zu erreichen. Auch das wenig ausgeprägte ÖPNV-Bewusstsein weiter Teile der Bevölkerung ist enttäuschend. Wenn wirklich große Umwälzungen erreicht werden sollen, dann müssten noch ganz andere Angebotsverbesserungen umgesetzt werden.
Beispielhaft genannt seien etwa eine weiträumige Buslinie Northeim–Osterode–Clausthal-Zellerfeld (-Goslar) (Linie 14 im Konzept Landesbuslinien), eine Buslinie Bad Harzburg – Nordhausen (Linie 15) und eine Buslinie Herzberg am Harz – Wernigerode (Linie 16). Derartige Linien über das ZVSN-Gebiet hinaus wären besser wahrnehmbar als kürzer geführte Linien und könnten im Zwei-Stunden-Takt starten. Wobei wir es für sinnvoll hielten, mittel- bis langfristig über strukturelle Veränderungen der Aufgabenträgerschaft nachzudenken; sei es die Vergrößerung des Verbandsgebiets oder sei es die Zusammenführung der Planung von Schienen- und Busverkehr. Die Quer durch den Harz verlaufende Grenze zwischen ZVSN und ZGB sollte für die Fahrgäste verschwinden.

Mehr Durchbindung sehen wir auch für Linien wie die 520 Holzminden–Bodenwerder–Hameln. Eine Anpassung an die mittelständische Struktur der Verkehrsunternehmen (Seite 163) ist wirtschaftlich durchaus sinnvoll, sollte aber nicht auf dem Rücken der Fahrgäste geschehen.
Nicht nur für Urlauber, sondern auch für die „normale ÖPNV-Vernetzung“ des Harzes oder des Weserberglandes mit den umliegenden Mittelzentren wie Osterode, Northeim und Holzminden ist es wichtig, zuverlässige, schnelle und getaktete Verbindungen herzustellen, gerade auch in Hinblick auf eine umsteigefreie überregionale Fernverkehrsanbindung, deren Fahrgäste ihr weiteres Ziel im ÖPNV erreichen wollen.

Uns sind die Zuständigkeiten durchaus geläufig, dennoch wagen wir auch an dieser Stelle den Hinweis, dass die Ferienregion Harz eine spürbar bessere, also umsteigefreie, Fernverkehrsanbindung verdient hat. Gerade im Zeichen der Renaissance des Urlaubs im eigenen Lande muss es ein überregional wahrnehmbares Fernverkehrsangebot aus Süddeutschland, aus dem Westen und aus der Hauptstadtregion für den Harz geben, das im Wettbewerb mit anderen Regionen wie Nord- und Ostsee, Schwarzwald oder Bäderdreieck bestehen kann, regional gut vernetzt ist und an den Erfolg von HATIX anknüpft.

Aber zurück auf den harten Boden der Wirklichkeit im Jahr 2020!
Ihr Entwurf bleibt in Hinblick auf die gemeinsame Nahverkehrsplanung von ZVSN und Stadt Göttingen hinter der erreichten Beschlusslage zurück. Sowohl ZVSN-Zweckverbandsversammlung als auch Stadt Göttingen haben endlich beschlossen, diese gemeinsame Planung mit dem Ziel der besseren Vernetzung des Oberzentrums Göttingen mit seinem Umland in Angriff zu nehmen. Wir schlagen deshalb vor, diesen Umstand konkret in den ZVSN-NVP aufzunehmen (etwa auf Seite 144; Anschlüsse Stadt Göttingen-ZVSN).
Auf Seite 21/22 nennen Sie ein Datum zur NVP-Beschlusslage in der Stadt Göttingen aus 2017, die von unserer Kenntnis (18. September 2019) deutlich abweicht. Dies sollte angeglichen werden.

Leider findet sich in Ihrem Entwurf kein Hinweis auf den Fahrgastbeirat beim ZVSN. Aus unserer Sicht sollte dieses gemeinsame Instrument des Austausches relevanter Themen im NVP Berücksichtigung finden.

Auf Seite 92 wird – eingebettet in die übrigen Vertriebskanäle – der App-basierte Fahrscheinerwerb kurz erwähnt. Angesichts der weiten Verbreitung von Smartphones sollte dieses Thema höher bewertet werden. Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind zwar nicht grenzenlos, zumal es immer einen Fahrgastanteil ohne Handy geben wird, aber die Chancen der Information und des bequemen Fahrscheinverkaufs ohne Rücksicht auf Öffnungszeiten oder Automatendefekte sollten benannt und aktiv genutzt werden!

Auf Seite 18 und auf Seite 118 wird die von uns unterstützte Absicht erwähnt, den Bahnhalt Verliehausen zu reaktivieren. Als Handlungsbedarf wird ein ergänzendes Taktangebot für die Flächenerschließung per Bus benannt. Wir denken, dass erweiterte Ausführungen hilfreich wären, um der mittelfristigen Umsetzung konkret näherzukommen.

Die auf Seite 111 erwähnte fehlende Erschließung des Hardegser Ortsteils Ertinghausen sollte einer Lösung zugeführt werden. Schließlich hatte der Ort früher sogar einen Bahnhalt. Ferner sollte geprüft werden, ob nicht alle Busse der Linie 221 über Hettensen hinaus an den Bahnhalt Lödingsen durchgebunden werden.

Auf Seite 121 lesen wir einiges über die Verkehrsprognose, aufbauend vor allem auf der Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung. Wir können diese Parameter als klar kalkulierbar nachvollziehen, meinen jedoch, dass angesichts der öffentlichen Diskussion über Klimawandel, Verkehrslärm, Staus und verstopften Straßen der Bewusstseinswandel in der Bevölkerung mehr Eingang in die Überlegungen zur Zukunft des ÖPNV haben sollte.

Auf Seite 131/132 werden die ergänzenden öffentlichen Verkehrsmittel zur Flächenerschließung eingeordnet, allerdings wird meistens auf Projekte in anderen Regionen verwiesen. Wir meinen, dass es Sinn macht, die Erfahrungen zu benennen, die mit Projekten wie dem Eco-Bus in unserer Region  gemacht worden sind. Wir kennen die Schwächen dieses Projekts, die wir bereits bei früheren Gelegenheiten benannt haben, aber wir meinen, dass die Erfahrungen mit bedarfsorientierten Angeboten insgesamt unbedingt bewertet werden müssen, um sie in künftige konzeptionelle Überlegungen einzubeziehen.

Um es abschließend zu betonen: Der ZVSN-Nahverkehrsplan enthält eine Fülle guter Ansätze, die in einigen Bereichen bereits umgesetzt wurden oder sich erfreulicherweise in der Umsetzung befinden. Allerdings fehlt in weiten Teilen der Öffentlichkeit und der Kommunalpolitik die Wahnnehmung über die erreichten Zwischenstände, vom darüber hinausgehenden großen Wurf einmal ganz abgesehen.

Es reicht nicht, den Nahverkehrsplan als Datei ins Internet zu stellen und auf die Möglichkeit zu verweisen, dass diese heruntergeladen werden kann. Wir halten die Vervielfältigung der gedruckten Version und deren Verbreitung an den genannten Personenkreis für unabdingbar. Jeder Multiplikator in den Räten, Kreistagen, Verwaltungen und Verbänden sollte jederzeit auf den ZVSN-Nahverkehrsplan als Kompendium zugreifen können. In jedem Bücherregal sollte noch ein gut erreichbarer Platz frei sein.

 

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